Die Bhagavad Gita als Hilfsmittel für spirituell gute Entscheidungen

 

Ab dem 14. Kapitel der Bhagavad Gita gibt Krsna Arjuna konkrete Unterscheidungshilfen, wie er sich verhalten kann, wenn er vor Entscheidungen steht. Das ist ja die ursprüngliche Frage. Arjuna will wissen: „Wie soll ich mich entscheiden?“ Krsna gibt ihm in den ersten Kapiteln eine ganze Reihe übergeordneter Gesichtspunkte über die Einstellung zum Leben usw. Unter anderem hat er betont: Wecke deine Intuition. Meditiere. Bitte Gott um Hilfe. Bete zu ihm. Bringe alles Gott dar. – All diese Techniken haben ja die Aufgabe, uns zur eigenen Intuition zu führen, uns eine höhere Führung spüren zu lassen, welche unsere Entscheidungen lenkt und erleichtert. Aber es reicht im Normalfall nicht aus, nur der Intuition zu folgen. Die Intuition kann einen auch in die Irre führen, denn wir wissen nie ganz genau, inwieweit ist es eine reine höhere Intuition und inwieweit ist sie geprägt von unseren eigenen bewussten oder noch mehr unbewussten Inhalten und Vorstellungen.

Vermutlich hast du das auch schon festgestellt: Manchmal sind Intuitionen genau richtig, aber manchmal hat man auch eine Intuition und nachher stellt man fest, man hat sich doch getäuscht.

 

Irgendwann muss sich Arjuna und müssen wir uns im Leben konkret entscheiden. Dafür sind praktisch anwendbare Richtlinien hilfreich, an denen wir uns orientieren können. Auch wenn wir eine Intuition haben, und selbst wenn sie in die richtige Richtung zeigt, brauchen wir konkrete Entscheidungskriterien. Krsna fasst in der Bhagavad Gita die Kriterien so weit, dass sie nicht nur Arjuna in seiner Situation weiter helfen, sondern dass sie auf jede Situation anwendbar sind.

Die drei Gunas als Entscheidungshilfen

 

Im 14. Kapitel Bhagavad Gita geht es um die drei Gunas als Entscheidungskriterien. Im Wesentlichen werden Sattwa, Rajas und Tamas erklärt und die Empfehlung ist, sich an Sattwa auszurichten. Das heißt, bei allem, was wir tun oder was anliegt, sollten wir überlegen, ist es sattwig, rajasig oder tamasig und nach Möglichkeit den sattwigen Weg wählen, ohne allerdings auch daran verhaftet zu sein.

 

Das 15. Kapitel Bhagavad Gita ist dann wie eine kleine Warnung, dass wir uns nicht zu sehr an die Gunas hängen. Unter dem Titel „Der Yoga des höchsten Geistes“ finden wir hier wieder ein reines Jnana Yoga Kapitel. Bis zu einem gewissen Grad relativiert Krishna die Aussagen des 14. Kapitels bzw. will uns zu einer noch universelleren Sichtweise verhelfen, indem er sagt: „Ich, das Göttliche, bin auch in Tamas und Rajas. Für praktische Zwecke orientiere dich an Sattwa, aber in Wirklichkeit bin Ich in allem.“

Daiva und Asura als Entscheidungshilfen

 

Im 16. Kapitel der Bhagavad Gita spricht Krsna über Sura und Asura bzw. Daiva und Asura, über göttlich und dämonisch, über „Gutes“ und „Böses“. Wenn man die Verse einzeln liest und interpretiert, besteht die Gefahr, dass man wieder in ein gewisses Schwarz-Weiß-Denken hineinkommt. Wenn es etwas „Böses“ gibt, führt es zu der irregeleiteten Vorstellung, man müsse das Böse ausmerzen. Vermutlich sind die schlimmsten Dinge auf dieser Welt passiert im Versuch, das Böse auszumerzen. Unter diesem Gesichtspunkt muss man vorsichtig an das 16. Kapitel herangehen. Nicht umsonst sagt Krishna vorher im 15. Kapitel: „Hinter allem ist letztlich Gott, selbst hinter dem vermeintlich oder vordergründig Bösen steckt das göttliche Wirken.“

 

Trotzdem gilt es im persönlichen Leben öfter, Unterscheidungen zu treffen. Und da gibt es auf praktischer Ebene durchaus Dinge und Verhaltensweisen, die ethisch korrekt sind, wie andere nicht verletzen etc. und andere Verhaltensweisen, die dies nicht sind. Als Individuen müssen wir im praktischen Leben ethische Prinzipien beachten, angepasst an die sozio-ökonomischen und –kulturellen Bedingungen unserer Zeit. Darum geht es und das darf man vor lauter Relativierung nicht vergessen.

 

Im 17. Kapitel der Bhagavad Gita erzählt Krsna erneut über die drei Gunas und fordert uns auf, auch die spirituellen und alle anderen Praktiken sattvig zu machen. Jede Praxis könnte sattvig, rajassig und tamassig sein. Man sieht es einem Schüler nicht an. Alle drei mögen im Kopfstand stehen, der eine übt tamassig:

Er hat eigentlich Nackenprobleme und weiß, es tut ihm nicht gut, meint aber er müsste es trotzdem machen, schadet sich also selbst. Der nächste übt rajassig: Er will zeigen, wie großartig er ist. Ein anderer übt sattvig: Er macht den Kopfstand, weil er spürt, dass er richtig ist, gut für die Gesundheit, hilfreich ist. Dann bringt er die Früchte der Handlung Gott dar und denkt während dieser Handlung an Gott.

 

18. Kapitel ist eine komprimierte Zusammenfassung und der Höhepunkt der gesamten Lehre der Bhagavad Gita. Es werden nochmals die Gunas wiederholt, Bhakti-Gesichtspunkte, Prakriti, Svabhava und Svadharma, unserer eigenen Wesensnatur zu folgen, aus dem 2. Kapitel werden nochmals aufgegriffen. Es endet damit, dass Krishna Arjuna sagt: “Tu, was du willst, aber vorher denke nach, überlege, bringe alle diese Kriterien in deine Überlegungen mit ein. Nachher wirst du vielleicht immer noch nicht genau wissen, was richtig ist.“ Und all diese Kriterien, die Krsna uns gibt, sollen wir auf die jeweilige karmische Situation anwenden.